Wer in der Schweiz nach einer «Heilpraktiker Ausbildung» sucht, sucht meist nach einem Beruf, den es unter diesem Namen hier gar nicht gibt. Der Titel «Heilpraktiker» stammt aus dem deutschen Recht. In der Schweiz heisst der eidgenössisch anerkannte Weg Naturheilpraktiker:in mit eidg. Diplom, Professional Master.
Das Wichtigste in Kürze
- Heilpraktiker in der Schweiz: kein geschützter Titel. Der eidg. Abschluss heisst Naturheilpraktiker:in mit eidg. Diplom, Professional Master.
- Weg: Höhere Fachprüfung (HFP) der OdA AM, Tertiärstufe B. An der Prävensana in der Fachrichtung Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEN).
- Voraussetzungen: in der Regel EFZ oder gleichwertiger Abschluss, vollendetes 18. Lebensjahr, guter Leumund.
- Praxisbewilligung: kantonal geregelt, je nach Kanton unterschiedlich.
- Unterschied zum Naturheilpraktiker: keiner inhaltlich. «Heilpraktiker» ist nur der umgangssprachliche, oft deutsche Begriff für denselben Schweizer Beruf.
Vielleicht stehen Sie mitten in einem anderen Berufsleben und spüren, dass Sie Menschen lieber ganzheitlich begleiten möchten, statt einen Schreibtischjob zu verwalten. Für diesen Schritt zählen zwei Fragen: Welche Voraussetzungen müssen Sie mitbringen, und was bedeutet der Titel «Heilpraktiker» in der Schweiz überhaupt? Ich kläre beides hier, bevor Sie Zeit und Geld in den falschen Begriff investieren.
Themenübersicht
Heilpraktiker oder Naturheilpraktiker: was in der Schweiz gilt
«Heilpraktiker» ist ein deutscher Rechtsbegriff. Er beschreibt eine Erlaubnis nach dem deutschen Heilpraktikergesetz. In der Schweiz gibt es diesen geschützten Titel nicht. Wer hier heilkundlich auf naturheilkundlicher Basis arbeiten will, braucht einen anderen, klar geregelten Abschluss.
Der eidgenössisch anerkannte Beruf heisst Naturheilpraktiker:in mit eidg. Diplom, Professional Master. Geprüft wird er von der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin, kurz OdA AM. Das Qualifikationsverfahren ist eine Höhere Fachprüfung (HFP) auf Tertiärstufe B. Diese Prüfung sichert ein einheitliches fachliches Niveau und macht den Abschluss schweizweit vergleichbar.
Wenn Sie also auf eine «Heilpraktiker Ausbildung Schweiz» stossen, meint das in den allermeisten Fällen genau diesen Weg. An der Prävensana läuft er in der Fachrichtung Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEN). Sie lernen die medizinischen Grundlagen sowie die Techniken der Befunderhebung und Therapie, die für die Ausübung des Berufs in der Schweiz vorgeschrieben sind.
Der Unterschied, den Sie kennen müssen
Inhaltlich gibt es zwischen «Heilpraktiker» und «Naturheilpraktiker:in» keinen Unterschied, wenn man vom Schweizer Beruf spricht. Es ist derselbe Weg, nur unter zwei Namen. Der eine ist umgangssprachlich und oft aus Deutschland übernommen, der andere ist die offizielle Schweizer Bezeichnung.
Wichtig wird die Unterscheidung an einem anderen Punkt: bei der Anerkennung. Ein deutscher Heilpraktiker-Schein berechtigt nicht automatisch zur Tätigkeit in der Schweiz. Umgekehrt ist das eidg. Diplom in der Schweiz die belastbare Grundlage, etwa für die Registrierung bei Krankenkassen-Stellen.
Übrigens: Innerhalb der OdA AM existieren vier Fachrichtungen, neben TEN auch Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Ayurveda-Medizin und Homöopathie. Sie wählen die Tradition, die zu Ihrer geplanten Arbeitsweise passt. An der Prävensana ist das die TEN.
Wie der Beruf im Alltag aussieht, welche Methoden zum Einsatz kommen und wie die Ausbildung Modul für Modul aufgebaut ist, lesen Sie ausführlich im Beitrag Was macht ein:e Naturheilpraktiker:in? Dieser Beitrag hier konzentriert sich auf die Voraussetzungen und die Begriffsfrage.
Voraussetzungen für den Einstieg
Für den Einstieg in die Ausbildung zur Naturheilpraktikerin oder zum Naturheilpraktiker werden in der Regel folgende Punkte erwartet:
- Vollendetes 18. Lebensjahr bei Ausbildungsbeginn, vollendetes 25. Lebensjahr bei der Anmeldung zur eidg. Prüfung
- Berufsabschluss mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder ein gleichwertiger Abschluss wie Matura oder Berufsmatura
- Körperliche und geistige Gesundheit
- Gute schriftliche und mündliche Deutschkenntnisse
- Guter Leumund
- Internetfähiges Gerät, da Skripte und Unterlagen teilweise nur online verfügbar sind
Sie brauchen also keine medizinische Vorbildung. Viele Studierende kommen aus Pflege-, Gesundheits-, Sport- oder pädagogischen Berufen, einige steigen aus kaufmännischen Tätigkeiten quer ein. Was zählt, ist ein anerkannter Grundabschluss und die Bereitschaft, sich über gut drei Jahre auf medizinisches und naturheilkundliches Fachwissen einzulassen.
Ob Ihr Abschluss als gleichwertig gilt oder ob ein anderer Bildungsweg den Einstieg erlaubt, lohnt sich früh zu klären. Diese Einschätzung treffe ich gern mit Ihnen im persönlichen Gespräch, bevor Sie sich festlegen.
Praxisbewilligung und Krankenkassen
Das eidg. Diplom ist die fachliche Grundlage. Ob und welche Bewilligung Sie für die selbstständige Praxis brauchen, regeln die Kantone. Die Gesundheitsgesetze der 26 Kantone geben vor, welche Berufe eine Berufsausübungsbewilligung oder Praxisbewilligung benötigen. Diese Vorgaben unterscheiden sich von Kanton zu Kanton.
Klären Sie deshalb für Ihren Wohn- oder Praxiskanton direkt bei der zuständigen Gesundheitsdirektion ab, was für Ihren Standort gilt. Das ist ein Schritt, den viele unterschätzen, der aber über den Start Ihrer Praxis entscheidet.
Ein zweiter Punkt betrifft die Abrechnung. Damit Ihre künftigen Klient:innen Behandlungen über ihre Zusatzversicherung abrechnen können, ist eine Krankenkassenregistrierung nötig. Die Ausbildung an der Prävensana erfüllt die Anforderungen des ErfahrungsMedizinischen Registers (EMR) sowie der ASCA. Für die EMR-Registrierung benötigen Sie nach der Ausbildung zusätzlich Patientenerfahrung und/oder ein anerkanntes Praktikum, das Sie nicht an der Schule erarbeiten. Was hinter den Kürzeln steckt, erklärt der Beitrag EMR, ASCA, OdA & Co.
Dauer, Kosten und Bundesbeiträge
Die Ausbildung an der Prävensana dauert ca. 3 Jahre und 4 Monate und umfasst 1’920 Lernstunden Präsenzunterricht (4’003 Lernstunden total). Sie ist berufsbegleitend angelegt, mit Präsenzunterricht und angeleitetem Selbststudium. Die Gesamtgebühr beträgt CHF 52’850, inklusive Examenskosten und Einschreibegebühr.
Weil dieser Lehrgang zu einem eidg. Diplom über die Höhere Fachprüfung führt, profitieren Sie von Bundessubventionen. Der Bund übernimmt bis zu 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren, bei dieser Ausbildung bis zu CHF 10’500. Die Auszahlung erfolgt, sobald Sie zur eidgenössischen Prüfung antreten, unabhängig vom Ergebnis. Der Anspruch gilt während sieben Jahren ab Ausbildungsstart. Die aktuelle Höhe bespreche ich gerne im persönlichen Beratungsgespräch.
Welche Finanzierungslösung in Ihrer Situation funktioniert, wie sich Raten und mögliche Arbeitgeber-Beteiligungen verbinden lassen und wie Sie Ihr Budget über die Ausbildungsjahre planen, klären Sie am besten persönlich. Einen Überblick gibt die Prävensana-Seite zur finanziellen Unterstützung Ihrer Ausbildung.
Lehrgänge & Anschlussmöglichkeiten
Naturheilpraktiker:in mit eidg. Diplom in TEN, Professional Master
Einstieg: Der eidgenössische Weg in die Naturheilkunde. Ca. 3 Jahre und 4 Monate, 1’920 Lernstunden Präsenzunterricht (4’003 Lernstunden total), Bundesbeiträge bis CHF 10’500 nach Prüfungsantritt.
Dipl. Therapeutische:r Masseur:in
Praxisnaher Einstieg in die manuelle Therapie. Eine sinnvolle Vorstufe, wenn Sie zunächst über die Massage in die Naturheilkunde finden möchten.
Medizinische Grundlagen
Das medizinische Fundament für naturheilkundliche Berufe und die Basis für eine spätere Krankenkassenanerkennung.
Häufige Fragen
Nicht unter diesem Namen. «Heilpraktiker» ist ein deutscher Rechtsbegriff. Der eidgenössisch anerkannte Schweizer Beruf heisst Naturheilpraktiker:in mit eidg. Diplom, Professional Master, und wird über die Höhere Fachprüfung der OdA AM geprüft.
Nein. Erwartet werden in der Regel ein EFZ oder ein gleichwertiger Abschluss wie Matura, dazu das vollendete 18. Lebensjahr und ein guter Leumund. Die medizinischen Grundlagen lernen Sie während der Ausbildung.
Eine deutsche Heilpraktiker-Erlaubnis berechtigt nicht automatisch zur Tätigkeit in der Schweiz. Für die Schweizer Praxis zählt das eidg. Diplom, ergänzt durch die kantonale Bewilligung und die Registrierung bei den Krankenkassen-Stellen.
Das hängt von Ihrem Kanton ab. Die 26 kantonalen Gesundheitsgesetze regeln, welche Berufe eine Praxisbewilligung brauchen. Klären Sie die Vorgaben für Ihren Praxiskanton bei der zuständigen Gesundheitsdirektion ab.
Ja, weil die Ausbildung zu einem eidg. Diplom führt. Der Bund übernimmt bis zu 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren, bei dieser Ausbildung bis zu CHF 10’500. Die Rückerstattung erfolgt, sobald Sie zur eidg. Prüfung antreten, unabhängig vom Ergebnis, und der Anspruch gilt sieben Jahre ab Ausbildungsstart.
Ihr Weg in die Naturheilpraxis
Der erste Schritt ist nicht die Anmeldung, sondern Klarheit. Klären Sie, ob Ihr Abschluss die Zulassung erfüllt, welcher Standort passt und was Ihr Kanton für die spätere Praxis verlangt. Ich nehme mir gerne Zeit für Ihre Ausgangslage.
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