Viele kommen aus einem ganz anderen Beruf zur Naturheilkunde. Aus der Pflege, dem Detailhandel, dem Büro oder der Drogerie, oft nach Jahren, in denen die Arbeit gestimmt hat, der Sinn aber gefehlt hat. Wer diesen Wechsel ernst meint, sucht keinen Wochenendkurs, sondern einen Weg, der am Ende ein anerkanntes Diplom trägt. Bei der TEN-Naturheilkunde unterscheidet sich dieser Weg deutlich von einer reinen Wellness-Ausbildung.
Das Wichtigste in Kürze
- Abschluss: Naturheilpraktiker:in mit eidg. Diplom in Traditioneller Europäischer Naturheilkunde (TEN), erworben über die höhere Fachprüfung der OdA AM.
- Für wen: Quereinsteiger:innen mit EFZ oder Matura, die selbstständig oder angestellt in der Naturheilkunde arbeiten wollen.
- Dauer: ca. 3 Jahre und 4 Monate, 1’920 Lernstunden Präsenzunterricht (4’003 Lernstunden total), berufsbegleitend an zwei Tagen pro Woche.
- Kosten: CHF 52’850 gesamt, inklusive Skripte, Bücher und Prüfungsgebühren.
- Der eine Unterschied: Dieser Abschluss ist eidgenössisch. Der Bund unterstützt ihn mit Beiträgen von bis zu CHF 10’500, anders als die meisten Diplomausbildungen.
Themenübersicht
Der Abschluss: eidg. Diplom statt Schuldiplom
Naturheilpraktiker:in ist in der Schweiz ein eidgenössisch geregelter Beruf. Das Qualifikationsverfahren ist eine höhere Fachprüfung (HFP) auf Tertiärstufe B, getragen von der OdA AM, der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin. Vier Fachrichtungen sind anerkannt: Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN, Traditionelle Chinesische Medizin TCM, Ayurveda und Homöopathie.
Bei der Prävensana führt der Weg über die Fachrichtung TEN. Sie schliessen mit dem Diplom Naturheilpraktiker:in TEN ab, und die Schule bestellt für Sie die Zertifikate der Module M3 bis M6 bei der OdA AM. Das unterscheidet diesen Lehrgang von einem privaten Schuldiplom: Am Ende steht ein staatlich anerkannter Titel, kein hausinternes Zertifikat.
Wenn Sie zuerst wissen möchten, wie der Berufsalltag in einer Naturheilpraxis konkret aussieht, lesen Sie den Beitrag Was macht ein:e Naturheilpraktiker:in?. Diese Seite hier widmet sich dem Ausbildungsweg selbst.
Aufbau und Dauer der Ausbildung
Die Ausbildung dauert ca. 3 Jahre und 4 Monate und umfasst 4’003 Lernstunden. Diese teilen sich in 1’920 Stunden Präsenzunterricht, 1’083 Stunden angeleitetes Selbststudium und 1’000 Stunden Selbstlernzeit. Der Unterricht läuft berufsbegleitend an zwei Tagen pro Woche, jeweils von 8:30 bis 12:00 und von 13:00 bis 16:30 Uhr, inklusive Pausen.
Unterrichtet wird an den Standorten Bern, Rapperswil und Zürich. Einzelne Module finden online oder zentral statt, die Details legt der Kursdatenplan fest. Eine separate Diplomarbeit ist nicht verlangt. Im letzten Drittel der Ausbildung absolvieren Sie ein Praktikum, das sich parallel in Voll- oder Teilzeit organisieren lässt.
Bis zur eidgenössischen Prüfung folgen danach klar getrennte Schritte. Die Module M3 bis M6 absolvieren Sie an der Schule, die zugehörigen Zertifikate bestellt die Schule bei der OdA AM. Die Modulprüfungen M1 und M2 legen Sie extern ab: Sie melden sich dafür selbst bei der OdA AM an und müssen die Prüfungen bestehen, die nötigen Belege aus dem Unterricht erhalten Sie von der Schule. Liegen M1 bis M6 vollständig vor, fehlt noch M7, die Berufspraxis unter Mentorat. Diese erarbeiten Sie eigenständig nach den Vorgaben der OdA AM. Erst danach melden Sie sich zur eidgenössischen Prüfung an.
Was Sie in den Modulen lernen
Der Lehrgang baut auf zwei grossen Säulen auf. Die erste sind die medizinischen Grundlagen, die zweite die naturheilkundlichen Methoden der TEN.
In den medizinischen Grundlagen arbeiten Sie sich von Anatomie und Physiologie über die Pathologie bis zur Differenzialdiagnose vor. Sie lernen, eine Behandlung sicher abzugrenzen und eine Überweisung zu erkennen, wenn ein Befund in ärztliche Hände gehört. Dieser Teil ist umfangreich, weil die eidgenössische Prüfung genau hier ansetzt.
Die TEN-Methoden bilden das eigentliche Handwerk. Dazu gehören Phytotherapie, Hydro- und Thermotherapie, Schröpfen, klassische Massage, Fussreflexzonentherapie, Bindegewebsmassage, Irisbefund und die humoralmedizinische Ernährungslehre. Sie üben die Befundaufnahme nach den Vorgaben der OdA AM und führen vom Befund zur Behandlung. Übrigens lernen Sie auch das Führen einer eigenen Praxis, von der Kalkulation bis zum Businessplan, denn viele Absolvent:innen machen sich später selbstständig.
Voraussetzungen für die Zulassung
In der Regel brauchen Sie für den Lehrgang:
- einen Berufsabschluss mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder einen gleichwertigen Abschluss wie Matura oder Berufsmatura
- das vollendete 18. Lebensjahr bei Ausbildungsbeginn
- körperliche und geistige Gesundheit
- gute schriftliche und mündliche Deutschkenntnisse
- einen guten Leumund
- ein internetfähiges Gerät, idealerweise Laptop oder Tablet, für die Lernplattform
Eine Vorbildung im Gesundheitsbereich ist nicht verlangt. Die Naturheilkunde wird häufig als Zweitberuf gewählt, der Quereinstieg aus einer anderen Branche ist die Regel und nicht die Ausnahme.
Anerkennung, EMR und Krankenkassen
Die Ausbildung erfüllt die Anforderungen des EMR (ErfahrungsMedizinisches Register) und der ASCA für die Methode naturheilkundliche Praktiken. Nach dem Abschluss können Sie sich bei diesen Registrierungsstellen anmelden. Damit rechnen Ihre Klient:innen je nach Zusatzversicherung einen Teil der Behandlungskosten über die Krankenkasse ab.
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Für eine erfolgreiche EMR-Registrierung benötigen Sie nach der Ausbildung zusätzliche Patientenerfahrung oder ein anerkanntes Praktikum, das Sie ausserhalb der Schule erbringen. Die genauen Voraussetzungen legen die Registrierungsstellen fest und sie unterscheiden sich je nach Versicherer. Bereits während der Ausbildung können Sie auf einzelnen Methoden arbeiten und sich registrieren lassen.
Ob Sie für eine eigene Praxis zusätzlich eine kantonale Praxisbewilligung benötigen, regeln die Gesundheitsgesetze der 26 Kantone unterschiedlich. Diese Frage klären Sie mit der Gesundheitsdirektion in Ihrem Praxiskanton.
Kosten und Bundesbeiträge
Die Ausbildung kostet insgesamt CHF 52’850. Darin enthalten sind die Lehrgangskosten von CHF 49’800, die Examenskosten von CHF 2’750 und die Einschreibegebühr von CHF 300. Skripte, Unterrichtsmaterialien, Bücher und Prüfungsgebühren sind in diesem Betrag inbegriffen.
Hier liegt der Vorteil des eidgenössischen Wegs. Weil der Abschluss eidgenössisch ist, unterstützt der Bund diese Ausbildung mit Beiträgen von bis zu CHF 10’500. Die Auszahlung erfolgt, sobald Sie zur eidgenössischen Prüfung antreten, also nach der Schulausbildung, und unabhängig vom Prüfungsergebnis. Der Anspruch gilt während sieben Jahren ab Ausbildungsbeginn.
Das ist die Subjektfinanzierung des Bundes: Der Beitrag geht direkt an Sie als Lernende, nicht an die Schule. Die aktuelle Höhe und Ihre persönliche Finanzierung, inklusive Ratenzahlung, klären Sie am besten im Beratungsgespräch.
Lehrgänge & Anschlussmöglichkeiten
Naturheilpraktiker:in mit eidg. Diplom (TEN)
Hauptausbildung: 1’920 Lernstunden Präsenzunterricht (4’003 Lernstunden total), ca. 3 Jahre und 4 Monate, berufsbegleitend. Mit Vorbereitung auf die höhere Fachprüfung der OdA AM.
Dipl. Therapeutische:r Masseur:in
Ein kürzerer Einstieg in die manuelle Arbeit am Menschen, ideal als erstes Berufsfeld oder zur Vorvertiefung der Massagemodule.
Dipl. Fussreflexzonen-Therapeut:in
Eine gezielte Spezialisierung, die auch im TEN-Lehrgang als Modul vorkommt und sich gut als Einzelausbildung absolvieren lässt.
Häufige Fragen
Ja, der Lehrgang ist berufsbegleitend angelegt. Der Präsenzunterricht findet an zwei festen Wochentagen statt, dazu kommen Selbststudium und das Praktikum im letzten Drittel. Über die gesamten 3 Jahre und 4 Monate verlangt das eine verlässliche Planung, lässt sich aber mit einer Teilzeitstelle verbinden.
Nein. Verlangt sind ein EFZ oder ein gleichwertiger Abschluss wie die Matura, nicht aber eine Vorbildung in Medizin oder Pflege. Die medizinischen Grundlagen bauen Sie im Lehrgang von Grund auf. Naturheilpraktiker:in ist klassischerweise ein Zweitberuf für Quereinsteiger:innen.
Das Diplom Naturheilpraktiker:in TEN ist eidgenössisch, weil es über die höhere Fachprüfung der OdA AM erworben wird. Ein privates Schuldiplom bleibt dagegen ein hausinternes Zertifikat. Der eidgenössische Status ist auch der Grund, warum hier Bundesbeiträge möglich sind.
Der Bund unterstützt die Ausbildung mit bis zu CHF 10’500. Den Beitrag erhalten Sie direkt, sobald Sie zur eidgenössischen Prüfung antreten, und zwar unabhängig vom Ergebnis. Der Anspruch gilt während sieben Jahren ab Ausbildungsbeginn. Die genauen Voraussetzungen klären Sie vorgängig.
Ja, das eidgenössische Diplom berechtigt zur selbstständigen Tätigkeit, vorbehältlich der kantonalen Zulassungsregeln. Viele Absolvent:innen eröffnen eine eigene Naturheilpraxis oder arbeiten in einer Gesundheitsinstitution für Natur- und Komplementärmedizin. Für die Krankenkassenabrechnung Ihrer Klient:innen ist die EMR- oder ASCA-Registrierung entscheidend.
So planen Sie Ihren Einstieg
Eine Ausbildung über mehr als drei Jahre will gut überlegt sein. Im persönlichen Beratungsgespräch schauen Sie Ihre Ausgangslage an, prüfen Ihre Zulassung, klären die Finanzierung samt Bundesbeitrag und erfahren die nächsten Kursstarts in Bern, Rapperswil oder Zürich.
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